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The Making Of 'THE RUN'

von Ulrik Bruchholz

PRE PRODUCTION

Sechs Monate Kampfansage liegen hinter mir, ein paar Monate stehen noch bevor und auf meine eigenen Webseite ist seit Ewigkeiten nichts mehr passiert. Daher kam mir in meiner freien Zeit die Idee einen Kurzfilm zu machen.

Aber was tun? Bisher war jeder flatCOIN Film mehr oder weniger sinnfrei oder so mit Sinn vollgestopft, dass niemand diesen erkannte. Da meine Leidenschaft seit Monaten dem Parkour galt war zumindestens hunderprozentig sicher das ein wenig Parkour enthalten sein musste. Mickey, ein guter Freund von mir und ein excellenter Stuntman, wenn es um harte Stürze und Kämpfe geht wollt auch unbedingt mit vor der Kamera herumspringen und damit war die Geschichte des Films eigentlich schon geschrieben: Zwei Typen rennen durch die Gegend und wenn sie nicht rennen, dann kämpfen sie. Fertig, Aus, Vorbei.

Damit stand das Team fest: Mickey als Hauptheld, Kämpfer und Fightchoreograph und ich als Regisseur, Kameramann und PK Dude, der auch Kämpft und seine Ideen für die Kämpfe mit einfliessen läßt. Anbei hoffte ich noch auf Tilman, der eigentlich die zweite Hälfte von flatCOIN bildet, aber seit sehr Langem nicht mehr an einer »unserer« Produktionen beteiligt war. Zum Glück hatte er diesmal zwei Tage Zeit und konnte die Kameraarbeit machen.

Bevor Tilman und Mickey im Team waren, war allerdings schon Ete dabei. Er hatte sich eine Story ausgedacht, die wir ursprünglich umsetzen wollten. Darin ging es um eine magisches Amulet, getragen von einem Wanderer aus dem Mittelalter (Ete). Dieser würde durch den Wald laufen, von einem Räuber (Mickey) angegriffen werden, verteigigen müsste er sich mit dem magischen Amulet, welches einen arabischen Beschützer aus dem Nirgendwo hervorzaubert - einen Kampfmullah. Der Mullah prügelt sich dann mit dem Räuber etc .. Idee gestrichen.

Making Of The Run

Um Etes Idee nicht komplett zu ignorieren wurden alle Charaktere übernommen: Der Wanderer geht durch den Wald und plötzlich kommt ein Wahnsinniger auf ihn zugerannt. Der Wanderer hört auf zu wandern, rastet aus und schlägt den Läufer mit einem Powerpunch nieder. Dieser braucht 1000 Jahre um wieder zu Bewusstsein zu kommen. Vollkommen benommen wacht er in einer fiktiven Zukunft auf. Die Erde ist zerstört und nur noch einzelne Personen, die zufällig arabisch angehauchte Kleidung tragen, streifen durch die Gegend und suchen nach etwas Essbaren. Der Räuber aus der Vergangenheit interessiert sich wenig für seine kleine Zeitreise und geht sofort seinen Trieben nach und verfolgt den Mullah. Es kommt zu einen Kampf auf Leben und Tod.


PRODUCTION

Somit war die Vorproduktion fertig und es konnte ans Drehen gehen. Mickey kam für drei Tage nach Berlin und Ete und Tilman waren sowieso bereit. Wir fuhren zum ersten und fast einzigen Drehort. Nun kann sein, dass ihr glaubt das ein vier Mann Team eindeutig zuwenig für einen Kurzfilm ist. Der Meinung bin ich nicht und eigentlich waren wir sogar ein Mann zuviel, weil Ete die meiste Zeit nur herumgestanden hat und wenn nicht Ete, dann jemand anderes von uns.

Gedreht wurde spontan, bedeutet erst am »Set« habe ich mir überlegt was für Kameraeinstellungen passend sind und dann haben wir sofort losgedreht. Damit der ganze Kurzfilm möglichst teuer aussieht, haben wir die Locations sooft wie nur möglich geändert, wobei im Endeffekt nichts weiter als 10min laufen voneinander entfernt gewesen ist, aber das sieht man zum Glück nicht im Film. Die Kampfszenen wurden auch den einzelnen Drehorten angepasst und vorort choreografiert.

Am Abend nach Drehschluss haben Mikey und ich das Material gesichtet um herauszufinden ob irgendetwas nachgedreht werden muss. Am nächsten Tag ging es mit der gleichen Routine weiter, diesmal ohne Ete, da er keine Zeit hatte. Am dritten Tag konnte Tilman nicht und ich übernahm die gesamte Kameraarbeit. Mikey und Ete sprangen vor der Kamera herum.

Nach drei Tagen war alles vorbei und die schier endlose Post-Production Zeit begann.


POST PRODUCTION

Meine erste Idee war nur den »Zeitsprung« irgendwie im Stil von »The Time Machine« hinzubekommen; Bäume sollten zerfallen, neue wachsen, verschwinden, erste Häuser gebaut werden, zerfallen, weitere Häuser entstehen, eine Stadt und eine Atomexplosion, welche alles zerstört bis nur ein paar Ruinen übrig blieben. Allerdings habe ich beinahe keine Erfahrung in 3ds Max und daher war die Aufgabe sogut wie unlösbar, eingesehen habe ich das erst nach zwei Wochen.

Making Of The Run

Mein Wissen war in den zwei Wochen weit genug fortgeschritten das mein Hauptziel von nun darin bestand, in mindestens einer Szenen ein digitales Haus einzufügen. Als nach gut sechs Wochen das digitale Haus ein ganzer Strassenzug war, konnte ich nicht davon ablassen jede Szene auf irgendeine Art digital zu verändern.

Making Of The Run

Als erstes habe ich mir die Szenen im Wald vorgenommen. Eine normale Farbkorrektur war mir hier nichtmehr genug, deshalb maskierte ich jede Person und verdunkelte den Wald um die beiden Darsteller und füngte noch einen Blur hinzu, dass die Aufmerksamkeit mehr auf Mikey und Ete lag und damit der Wald eine düstere Ausstrahlung hat. Der Vorteil dabei war, dass der Wald anders aussah als in den gängigen Independent Filmen, die sogut wie alle im Wald handeln. Bei jeder dritten Szene wurde noch das Gesicht von entweder Ete oder Mikey (später dann auch mir selbst) noch erhellt, damit war die Waldszene im Kasten.

Making Of The Run

Immer wieder kamen Anrufe aus Thüringen, von Mikey der Wissen wollte wie lange der Film noch dauert, Ete hatte es schon aufgegeben zu fragen, da er mich wohl gut genug kannte um zu wissen das er sowieso nichts sehen würde bevor der Film fertig war und die Nachbearbeitung wollte einfach nicht Enden.

Making Of The Run Da ich es geschafft hatte digitale Häuser in Einstellungen einzufügen, wollte ich auch noch andere nicht reale Dinge einbauen, wie zum Beispiel Zeichnungen von Ete. Allerdings wollte auch dies absolut nichts funktionieren, daher habe ich mich dran gemacht die Farbkorrektur so zu übertreiben das die Einstellungen im Turm aussahen wie aus einem alten 20er Jahre Horrorfilm.
Aus irgendeinem Grund kam ich zwischendurch noch auf die Idee zwei Fenster des Geländers links und rechts neben Mikey und mir hellblau zu färben. Als ich das Resultat betrachtete war mir klar, dass es genauso im Film aussehen muss und machte mich daran die Aufgabe umzusetzen, was wiederrum 3-4 Tage Zeit frass.

Irgendwann war der Film endlich fertig geschnitten, fast jede Szene war Farbkorregiert, nur die Musik fehlte noch. Zum ersten Mal endschied ich mich jemanden, den ich nicht kannte die Musik machen zu lassen und suchte Hilfe auf Hackermovies.com. Fand auch sofort jemanden, der sich drei Wochen später wegen Zeitmangel vom Projekt trennte und auch nicht die Wünsche, die ich für den Score hatte umsetzen konnte. Meine nächste Wahl traf auf Alex Pfeffer, der gerne die Musik gemacht hätte, aber zu meinem Pech mit Kampfansage mehr als ausgelastet war. Also entschloss ich mich die Musik selber zu erstellen.

Die ersten Klänge sind mit meiner Akustikgitarre eingespielt und laufen zweimal im Loop, danach setzen Tracks ein, welche mit EJay erstellt wurden. Zwar nicht die elganteste Lösung, aber für mich die schnellste und praktischste. Für die musikalische Untermalung brauchte ich ungefähr drei Tage.

In den Zeit, in der ich auf die Tracks vom ersten »Komponisten«, der der später abgesprungen ist, gewartet habe, nutze ich die Zeit um noch ein paar neue Ideen umzusetzen. In der Szene in der Mikey aufsteht und ich als Mullah die Metalstange nach Mikey werfe, wurde das Original durch einen digitalen Stab ersetzt, wodurch der Eindruck entsteht, dass der Stab Mikey nur um Zentimenter verfehlt.

Als kleine Hommage an »Roadrunner« wurde in der Totalen von Mikey und mir eine Staubwolke und das Geräusch eines Düsenjets eingefügt, davor wurde noch der komplette Hintergrund durch ein digitales Mattepainting ersetzt. Der Shot verschlang fast eine weitere Woche, da die Kamera durch eine Glasscheibe gefilmt hat und nie dafür gedacht war später getrackt zu werden. Aber ich wollte das keine Location doppelt auftaucht, weshalb der Hintergrund ersetzt werden musste oder die Szene gelöscht. Ich entschied mich für die langwirrige Variante.

Making Of The Run

Irgendwann Anfang Mai war es endlich soweit und der Film war fertig und das erste was ich mir selber versprach war nie wieder visual effects in diesen Massen einzusetzen, allerdings jetzt Mitte Dezemeber, habe ich dieses Versprechen schon gebrochen - Coming Soon: Gung Sang.


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