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Ich denke, mit "Kampfansage" haben sich alle Beteiligten einen Traum erfüllt. Für mich gesprochen, war es die unglaubliche Tatsache, einen Martial-Arts-Actionfilm mitten im Herzen von Stuttgart zu drehen.

Der Film hat eine lange und nicht ganz unkomplizierte Vorgeschichte. Nachdem wir ungefähr Mitte 1999 beschlossen hatten, den Versuch zu unternehmen, einen Film zu machen, der den Vergleich mit Hong-Kong nicht zu scheuen braucht, dauerte es noch 3 Monate bis die erste Klappe von Kampfansage geschlagen wurde. Vor einem der kniffligsten Probleme sah ich mich selbst gestellt. Wie konnte ich eine virtuose und lange Kampfsequenz in einer glaubwürdigen Geschichte unterbringen? Zusätzlich zur allgemeinen Problematik Kung-Fu in Deutschland stattfinden zu lassen, kam noch die Tatsache hinzu, daß zwei meiner Kämpfer bisher keinerlei schauspielerische Erfahrung besaßen. Zudem war sich bis zum Drehbeginn keiner der Beteiligten sicher, ob wir überhaupt in der Lage sein würden, die Kampfszenen so gut in Szene zu setzen, daß sich die Zuschauer darüber nicht einfach nur kaputtlachen. Aus letzterem Grund, entschied ich mich schließlich, mich ganz auf die Kampfsequenz zu konzentrieren und auf eine Handlung weitestgehend zu verzichten. Zur selben Zeit erhielt das Projekt den Namen Kampfansage.

Um die Action trotzdem nicht völlig im Raum schweben zu lassen, erfand ich jedoch die kleine Geschichte mit dem Sofa und den drei darauf sitzenden, Fernsehschauenden Jungs. In diesem Rahmen sollte die Kampfsequenz eingebettet sein. Der Verzicht auf eine gewöhnliche Handlung brachte für die Choreographie enorme Vorteile. So war es möglich, jede Variation und jede Idee ohne Einschränkungen umzusetzen. Es gab keinen Bösen, keinen Helden, lediglich die Dramaturgie war festgeschrieben und den Gegebenheiten unseres Drehortes angepaßt.
Und überhaupt - der Drehort. Ich denke keine Entscheidung hat Kampfansage nachhaltiger beeinflußt als die Wahl des Drehortes. Zu Beginn unsere Suche, dachten wir an eine Art Turnhalle. Sicher kein besonders spannender Ort, doch damals hielt ich es schlicht für unmöglich, diesen Film im Freien zu drehen, verfügten wir doch nur über eine sehr bescheidene Lichtausstattung. Dazu kam noch das Witterungsproblem, schließlich war es bereits Herbst.

Den Vorschlag Zeppelin-Carré machte Volkram. Es ist schon seltsam warum ich nicht selbst auf diesen Gedanken gekommen war, schließlich war der Drehort an sich eine meiner Entdeckungen. Den Gedanken, einen ganzen Film hier zu drehen, wagte ich jedoch nicht zu denken. Und das aus gutem Grund. Schließlich war das gesamte Carré zwar ein öffentlich zugänglicher Bereich, aber trotzdem komplett in Privatbesitz. Bei dem schönsten Teilstück handelte es sich um die Terrasse des teuren, gerade neu eröffneten Restaurants "Amici" und außerdem nutzte Mercedes die Höfe als Ausstellungsfläche. In meinen Augen grenzt es also fast an ein Wunder, daß uns die Drehgenehmigung ohne viel Aufhebens erteilt wurde, und damit nicht genug, wir erhielten sogar kostenlosen Strom aus der Wachstube des Sicherheitsdienstes.

Als wir mit den Dreharbeiten begannen, gab es für uns dennoch zunächst ein böses Erwachen. Die Arbeit ging erheblich langsamer voran und gestaltete sich erheblich aufwendiger, als wir uns das vorgestellt hatten. Nach der ersten Nacht hatten wir gerade mal ein paar Sekunden im Kasten. Doch was für Sekunden! Als ich den ersten Rohschnitt erstellte, war ich ganz aus dem Häuschen vor Freude. Es schien tatsächlich zu funktionieren. Das Ergebnis sah einfach nur geil aus! Und so arbeiteten wir weiter, Nacht um Nacht. Besonders hart trafen uns die immer kälteren Temperaturen, wobei man sagen muß, daß das Team und nicht die Kämpfer darunter am meisten zu leiden hatte. Aber es gab auch schöne Momente. Einmal lud uns ein Kellner des "Amici" zu einer Runde Red Bull ein, hin und wieder gaben uns diverse Passanten, die sich beim genauen Hinsehen, als Karateweltmeister oder Kickbox-Champions entpuppten, wohlgemeinte Ratschlage ("Ihr seid sportliche Typen, aber diesmal bitte etwas männlicher..."). Und manchmal schien sich auch das Schicksal selbst unser zu erbarmen. Als wieder einmal eine endlose Nacht drohte, verletzte sich Mathis an der Hand, wir mußten abbrechen und eine ganze Sequenz mußte gestrichen werden, um überhaupt weitermachen zu können.

Aber die Zeit lief und lief und wir kamen langsam in echte Schwierigkeiten. Die Bäume begannen ihre Blätter zu verlieren, man hatte zwischenzeitlich eine ganze Palette Holzbänke ins Winterlager gebracht, die eigentlich schon einmal im Bild waren (und es auch blieben), und nicht zuletzt zitterten wir bis zum Schluß um unseren Wasserfall (Tatsächlich wurde er zwei Wochen nach Drehende abgestellt).
Die Wasserfallsequenz dürfte ohnehin am längsten im Gedächtnis aller Beteiligten bleiben. Es war, weiß Gott, ein heißer Tanz, denn das Thermometer war mittlerweile in die Minusregionen abgestürzt. Um Mathis trotzdem nicht gänzlich erfrieren zu lassen, funktionierten wir Regines Wagen kurzerhand zur Sauna um, indem wir einen Heißlüfter darin installierten. Nur konnten wir diesen leider nicht gleichzeitig mit den Scheinwerfern betreiben, so daß jedesmal die ganze Lichtmaschine aus und der Heißlüfter eingesteckt werden mußte. Das wäre ja alles noch soweit ganz gut gewesen, hätte sich Mathis nur vorher überlegt, wie man einen Pullover auszieht, ohne eine Strip aufs Parkett zu legen. Erst als die Szene dann endlich im Kasten war, sahen wir ein Licht am Ende des Tunnels.

Schließlich fehlte nur noch der anfangs erwähnte Rahmen. Das heißt, eigentlich fehlte er gar nicht, denn wir hatten noch bevor wir ins Carré kamen eine erste Version des Rahmens gedreht. Doch war ich schon beinahe einen Tag später mit dem Ergebnis nicht mehr zufrieden. Das Wohnzimmer in dem wir gedreht hatten, war einfach zu langweilig und außerdem hatten wir die Lichtstimmung ziemlich vermasselt. Also begann die Suche nach einem geeigneten Drehort von neuem. Schnell war der Vorschlag des Schickardtbunkers gemacht, doch stellte mich die Realisierung desselben erst vor einige Probleme. So kursierten zwar die abenteuerlichsten Gerüchte über den Bunker, doch ich konnte niemand ausfindig machen, der ihn schon einmal mit eigenen Augen gesehen hatte. Also mußte ich mir selbst ein Bild machen und war sofort begeistert. Der Luftschutzbunker war tatsächlich sehr groß und verwinkelt, überall standen abgefahrene altdeutsche Anweisungen und schaltete man das Licht aus leuchtete der ganze Bunker im Grün fluoreszierender Wandfarbe. Fast einen ganzen Tag brachten wir in seiner schwülen Enge zu (die Zentralheizung der Schule war in einem der Bunkerräume untergebracht). Doch als wir dann wieder Tageslicht erblickten, waren die Dreharbeiten abgeschlossen. 21 Drehtage, 150 Einstellungen und über 2000 Takes lagen hinter uns.

Johannes Jaeger

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